Volle Power unterwegs: Der Oticon SmartCharger im Test
Endlich hat Oticon ein Gerät auf den Markt gebracht, das ich mir schon lange herbeigesehnt hatte: Der SmartCharger ist ein Ladegerät für unterwegs, das mit einer Powerbank ausgestattet ist. Ist diese aufgeladen, verspricht der SmartCharger bis zu drei volle Hörgeräteladungen, ohne dass eine Steckdose nötig ist. Auf einer Lesereise und in einem Wanderurlaub konnte ich das Gerät auf Herz und Nieren prüfen. Ob es hält, was es verspricht, und was es zu beachten gilt, erfahren Sie hier.
Fangen wir zunächst damit an, warum ich mir überhaupt ein mobiles Ladegerät gewünscht habe. Die stationäre Oticon Ladestation, die seit jeher standardmäßig zu Akku-Modellen wie Opn S und More verkauft wird, ist durchaus formschön. Allerdings ist sie recht groß und das lange Ladekabel ist fest an der Station verbaut. Dadurch ist das Gerät beim Kofferpacken unhandlich. Zwar wird eine praktische Neopren-Hülle mit Reißverschluss mitgeliefert, doch das Kabel samt Ladegerät darin unterzubringen, ist schwierig. Nimmt das Kabel schaden, muss das Gerät zur Reparatur. Der größte Haken ist jedoch, dass diese Ladestation immer eine freie Steckdose benötigt. Das kann unterwegs ein Problem sein, beispielsweise im Zug, aber auch in Konferenzräumen oder Hotelzimmern, wo sämtliche Steckdosen für Smartphone, Computer und Co belegt sind. Zudem sind die Hörgeräte in der offenen Ladestation nicht vor äußeren Einflüssen geschützt. Mal eben schnell und sicher unterwegs aufladen: Fehlanzeige.
Generation USB-C
Hier kommt der neue SmartCharger ins Spiel. Das Gerät kommt mit einem handlichen Netzstecker und einem langen Ladekabel, das erfreulicherweise der USB-C-Norm entspricht. Das bedeutet, das Kabel kann sowohl aus dem Netzstecker mit klassischer USB-Buchse als auch aus der Ladestation mit der kleinen USB-C-Buchse ausgesteckt werden. Das erleichtert das Einpacken für Reisen. Der kleinere der beiden Stecker am SmartCharger ist symmetrisch geformt. Praktisch: Dadurch ist es egal, welche Seite oben ist und man muss nicht lange mit dem Kabel „herumfummeln“.
Flexible Lademöglichkeiten
Dank der USB-C-Norm ist es möglich, den SmartCharger an jeder USB-Quelle ab 2.0 anzuschließen, also auch an Computern oder Adaptern für den Zigarettenanzünder im Auto. Zudem verleiht die USB-C-Norm die Freiheit, Komponenten auszutauschen. Das habe ich sogleich getan und das lange Kabel durch ein wenige Zentimeter kurzes USB-C-Kabel ersetzt. Mit diesem Trick kann ich den SmartCharger samt Kabel in der Neoprenhülle unterbringen, die eigentlich zur stationären Ladestation gehört – darin ist das Gerät bestens geschützt. Auf den originalen Netzstecker verzichte ich unterwegs: Zwar wird seine Anwendung von Oticon empfohlen, aber letztlich handelt es sich um ein Standardnetzteil mit 5 Watt und 1 Ampere. Es funktioniert also auch problemlos mit meinem iPhone-Netzteil, das ich sowieso immer dabeihabe, oder mit jeder anderen USB-Quelle, die eine Stromstärke von mindestens 0,5 Ampere liefert. A propos funktionieren: Zunächst gab es tatsächlich Probleme bei der einzigen Aufgabe des Gerätes, nämlich dem Laden der Hörgeräte!
Ladehemmungen
Nachdem ich den SmartCharger von Oticon erhalten hatte, habe ich die integrierte Powerbank zunächst getreu der Anleitung komplett aufgeladen. Das kann bis zu vier Stunden dauern. Will man ausschließlich die Powerbank zum Laden der Hörgeräte nutzen, muss man anschließend natürlich den Stecker ziehen. Es ist aber auch möglich, den SmartCharger eingesteckt zu lassen. Dann werden die Hörgeräte direkt von der Steckdose geladen und die Powerbank wird lediglich auf Erhaltung der eigenen Ladung gesetzt. So kann der SmartCharger auch dauerhaft als stationäres Gerät eingesetzt werden, ohne die Powerbank zu nutzen. Ich wollte allerdings gleich die Powerbank-Funktion testen und habe meine Oticon More über Nacht ohne die Verbindung mit einer Steckdose geladen. Das Ergebnis am nächsten Morgen, nach mehr als sieben Stunden Schlaf, war enttäuschend. Die Hörsysteme waren nur zu 87 Prozent aufgeladen. Das gleiche wiederholte sich in der nächsten Nacht.
Klappe zu oder Klappe auf?
Um das Ganze noch mysteriöser zu machen, ließ ich in der dritten Nacht die Klappe des SmartChargers offen. Am nächsten morgen waren die Hörgeräte voll aufgeladen. Gerade die Klappe ist aber ein entscheidendes Design-Merkmal des SmartChargers, denn einerseits schützt sie die Hörgeräte vor Staub und Schmutz. Andererseits fängt sie die Wärme ein, die bei dem induktiven Ladevorgang entsteht und diese beschleunigt das Trocknen der Hörgeräte. Konnte es vielleicht gerade die Wärme sein, die das Problem beim Laden mit geschlossenem Deckel verursachte? Ein Anruf bei Oticon brachte mir schnell den entscheidenden Tipp: Ich sollte die neueste Firmware auf die Hörgeräte aufspielen lassen. Gesagt, getan. Bereits am nächsten Tag war ich bei meinem Hörakustiker, der die Software aktualisierte. Und siehe da …
Ein Update als Lösung
… am nächsten Morgen waren die Hörgeräte zu 100 Prozent geladen – und das bei geschlossenem Deckel. Ich vermute, dass die neue Firmware den Ladezustand abhängig von der Induktionswärme optimiert. Dieses Problem war also schon einmal gelöst und endlich konnte ich den SmartCharger auf meinen Reisen testen. Los ging es mit einer Lesereise, die mich freitags nach Düsseldorf und samstags nach Berlin führte. Der SmartCharger tat seinen Dienst bei der Übernachtung ohne Kabel optimal bis 100 Prozent. Ob die Induktionswärme das Trocknen der Hörgeräte beschleunigt, kann ich nicht beurteilen: Ich habe grundsätzlich kein Problem mit Feuchtigkeit und die Trocknung reicht bei mir auch in der offenen, stationären Ladestation.
Steckdose frei!
Später machte ich mit meiner Frau eine achttägige Reise. Vier Tage davon verbrachten wir beim Wandern im Rothaargebirge. Auf dieser Reise lernte ich die Vorteile des SmartChargers besonders zu schätzen. Denn: Nicht nur ich habe Ladekabel für iPhone und Apple Watch, sondern auch meine Frau. Wir benötigen also vier freie Steckdosen in Hotel- und Gästezimmern, wenn wir alle Geräte gleichzeitig laden. Umso nützlicher ist die Powerbank-Funktion. Ich habe den SmartCharger tagsüber aufgeladen und konnte dann die Hörgeräte jeweils drei Nächte in Folge problemlos voll aufladen. Die Leistung der PowerBank ist also vollkommen ausreichend. Drei kleine LEDs auf der Rückseite des SmartChargers verraten, wie viele Ladungen noch übrig sind. Leuchtet nur noch eine LED in Orange, dann ist es Zeit, die Powerbank wieder aufzuladen. Ich musste sie auf der achttägigen Reise insgesamt nur dreimal aufladen.
Fazit
Der SmartCharger ist zwar nicht wesentlich kleiner als das stationäre Ladegerät. Das ist der Tatsache geschuldet, dass die Ladeklappe groß genug ist für Othoplastiken – ein wichtiges Detail, das manch anderer Hersteller bei mobilen Lösungen übersehen hat. Doch trotz der Größe ist der SmartCharger deutlich handlicher als das stationäre Gerät und vor allem viel flexibler im Einsatz. Das Design überzeugt mit einem stabilen Stand, egal ob der Deckel geöffnet oder geschlossen ist. Zudem befreit der SmartCharger davon, stets eine freie Steckdose zur Verfügung haben zu müssen. Die Leistung der PowerBank reicht für drei volle Hörgeräte-Ladungen, wie vom Hersteller versprochen. Beim Wandern kann man die Hörgeräte zwischendurch sogar im freien Feld laden. Für Menschen, die viel unterwegs sind, lohnt sich der SmartCharger in jedem Fall. Da das Gerät preislich nicht gerade ein Schnäppchen ist, können mobile Menschen sogar überlegen, auf das stationäre Ladegerät zu verzichten und stattdessen zu Hause den SmartCharger durchweg am Netz zu lassen. Für kurze Wochenend- oder Geschäftstripps kann er dann einfach mitgenommen werden. Doch Achtung, liebe Hörakustiker: Kunden sollten mit der Anschaffung des SmartChargers unbedingt ein Update auf die neueste Firmware-Version ihrer Hörgeräte erhalten!