Hören zwischen den Ohren
Der feine Unterschied:
Das menschliche Gehirn ist in zwei Hälften unterteilt, die für unterschiedliche Funktionen im Bereich Wahrnehmung und Verarbeitung zuständig sind.
Was Hören und Kommunikation anbelangt, zeigt sich deutlich ein geschlechtsspezifischer Unterschied.
Männer und Frauen hören unterschiedlich und das von Anfang an.
In allen Lebensbereichen machen sich die Auswirkungen der unterschiedlich ausgeprägten und verknüpften Gehirne von Männern und Frauen bemerkbar.
In diesem Artikel möchte ich aber im Speziellen auf den geschlechterspezifischen Unterschied im Bereich der Hörverarbeitung eingehen.
Die Entwicklung
Von dem Tag an, an dem sich das Geschlecht eines heranwachsenden Babys im Mutterleib ausprägt, wird auch das Gehirn mit dem entsprechenden männlichen oder weiblichen Hormon geflutet. Nicht nur die typischen körperlichen Merkmale werden ausgeprägt, auch im Gehirn werden Strukturen anders angelegt. Daraus ergeben sich dann jeweils Vor- und Nachteile für das jeweilige Geschlecht. Beispielsweise sind Reflexe bei Männern stärker ausgeprägt als bei Frauen. Frauen wiederum können sich Umstände länger und detaillierter merken.
Das männliche Gehirn:
Bei heranwachsenden männlichen Babys, im Mutterleib bereits, werden die Verknüpfung von der vorderen Seite (Stirnseite) zur Rückseite (Hinterkopf) auf den jeweiligen Hirnhälften stärker ausgeprägt als bei Frauen. Dies dient, laut Forschern, zur Verstärkung der jeweiligen Intensivierung der lateralen, also Hirnhälften bezogenen Fähigkeiten und führt zur besseren Muskelkontrolle und zu stärker ausgeprägten Reflexen. Möchten sie diesen Umstand einmal auf Wahrheitsgehalt hin testen, führen sie folgendes Experiment durch: werfen sie einen Ball im Sichtfeld jeweils einer Frau oder einem Mann zu ohne die betreffende Person vorher zu rufen oder aufzufordern den Ball zu fangen. In den meisten Fällen fängt der Mann einfach den Ball während der gleiche Ball in der gleichen Situation an der Frau einfach abprallt.
Männer hören anders:
Auch beim Zuhören zeigt sich diese Verarbeitungsstruktur sehr deutlich. Männer benutzen fast immer nur eine Hirnhälfte zur Verarbeitung von Sprache und zum Zuhören. Dies ergab eine Studie, die an der Indiana University School of Medicine durchgeführt wurde: Gehirnscans von 20 Männern und 20 Frauen haben gezeigt, dass Männer meistens nur ihre linke Gehirnhälfte, die mit der Spracherkennung in Verbindung gebracht wird – einsetzen, wenn sie zuhören. Die in der Studie untersuchten Frauen benutzten beide Hirnhälften zum Zuhören.
Daraus ergeben sich Vor- und Nachteile.
Zu den Vorteilen zählen, dass sich das männliche Gehirn auf den Punkt genau konzentrieren kann und die Ablenkbarkeit minimal ist, egal was an Außeneinflüssen auf Ihn einbricht. Die Erfassung von Fakten in Gesprächen ist blitzschnell. Männer sind in der Regel sehr analytische Zuhörer.
Zu den Nachteilen zählen, dass Mann immer nur einem Gesprächspartner aufmerksam zuhören kann. Empathie beim Zuhören ist nicht automatisch und kostet den Mann mehr Energie und ermüdet ihn daher schneller.
Auch bei der Entspannung gibt es Unterschiede bei den Geschlechtern. Männer hören gerne laut Musik oder stellen zur Entspannung den Fernseher lauter. Dies dient der Entlastung der Konzentration und dazu die andere Gehirnhälfte mit zu stimulieren. Generell haben Männer weniger Probleme im Lärm und empfinden hohe Lautstärken nicht als Belastung. Daher haben sie auch eher einen lärmbedingten Hörverlust im Alter.
Auch bei einer Hörgeräteversorgung lassen sich Männer die Hörgeräte gern lauter einstellen als eine Frau mit dem etwa gleichen Hörverlust. Laut einer Studie aus den Siebzigern beträgt dieser gewünschte Lautstärkeunterschied bis zu 7 dB.
Das weibliche Gehirn
Wenn ein Mädchen im Mutterleib heranwächst, wird auch das Gehirn mit dem entsprechenden weiblichen Hormon geflutet. Neben den typischen körperlichen Merkmalen, werden auch im Gehirn Strukturen Verschaltungen geschlechtsentsprechend angelegt. Bei heranwachsenden Frauen werden die Verknüpfung zwischen beiden Gehirnhälften stark ausgeprägt um Informationen zwischen den beiden verarbeitenden Hirnhälften besser austauschen zu können. Laut Forschern hat das zur Folge, dass Frauen verbal besser aufgestellt sind und eine stärker ausgeprägte Intuition haben.
Frauen hören anders
Auch beim Zuhören zeigt sich diese Verarbeitungsstruktur sehr deutlich. Frauen können Sprache auf beiden Gehirnhälften verarbeiten und zusätzlich noch an 7 unterschiedlichen Stellen im Gehirn gleichzeitig. Dadurch können sie, so die Meinung der Forscher, auch mehreren Gesprächspartnern gleichzeitig zuhören. Außerdem sind sie gut im Erfassen des Gemütszustandes ihres Gesprächspartners. Während Männer in der Regel sehr analytische Zuhörer sind, sind Frauen eher empathische Zuhörer.
Zu den Vorteilen für Sie zählen auch, dass sie ihre Hörumwelt ganzheitlich erfassen und mehr wahrnehmen. Dies führt aber gleichermaßen auch zum Nachteil. Frauen sind im Generellen leichter ablenkbar. Die ganzheitlichere Wahrnehmung führt ebenfalls zu einer ganzheitlicheren Gedächtnisbildung. Nicht nur der Gesprächsinhalt wird sich gemerkt, sondern auch die Situation und der Ort bis hin zu Details, wie z.B. was der Gesprächspartner getragen hat.
Bei der Entspannung bevorzugen Frauen, im Gegensatz zum Mann ruhigere Praktiken und ziehen sich gern zurück und genießen die Ruhe. Diese Reizreduktion führt zur Entspannung beider Gehirnhälften. Generell haben Frauen mehr Probleme im oder mit Lärm und empfinden hohe Lautstärken als Belastung oder Bedrohung und meiden solche Situationen eher. Die Erklärung kann man sich durch Physik herleiten:
Wenn man über einen Lautsprecher ein Geräusch mit 60 dB abspielt und dann einen zweiten Lautsprecher aufstellt, der ebenfalls ein Geräusch mit 60 dB abspielt, kann man 63 dB messen. Also eine Aufsummierung um 3 dB. Da wir in unserem Experiment über der 50 dB Grenze liegen (innere Haarsinneszellen arbeiten mit) wird ein Lautstärkeanstieg um 3 dB als Verdopplung der Lautstärke empfunden (logarythmisches Hören). Nun zur Herleitung: Wenn also die Frau, immer mit beiden Gehirnhälften gleichzeitig gehörtes verarbeitet, also mit beiden Ohren auf Empfang ist, empfindet sie alles lauter als der Mann und wird auch schneller reizüberflutet. Tendenziell meidet sie Lärm daher eher. Und das zeigt sich wiederum im fortgeschrittenen Alter, denn Sie hört meistens besser als gleichaltrige Männer. Frauen leiden also weniger unter den Spätfolgen von Lärmeinflüssen, da sie sich weniger gern Lärm aussetzen. Leider machen ihnen aber irgendwann die Hormone einen Strich durch die Rechnung und führen im Alter zu einem leichten Tieftonverlust.
Fazit:
Männer hören also anders als Frauen und das liegt tatsächlich an den Hormonen in der Entwicklung und führt zu unterschiedlichen Fähigkeiten und Bedürfnissen. Männer lieben Lautstärke und sind weniger ablenkbar. Frauen können mehreren Personen gleichzeitig zuhören und sich Informationen ganzheitlicher merken, dafür sind sie aber auch schneller abgelenkt. Dies ist zumindest der geschlechterspezifische Zustand strukturell gesehen nach der Geburt. Durch Lernen, Erfahrung und Anpassung können wir unserer Fähigkeiten erweitern und verbessern auch und gerade im Bereich Hören und Kommunikation.
Quellen:
http://www.wissenschaft.de/home/-/journal_content/56/12054/1226879/
http://www.n-tv.de/wissen/Hoeren-mit-dem-rechten-Ohr-article287841.html
https://www.philognosie.net/persoenlichkeit/hirndominanz-funktion-der-beiden-gehirnhaelften
http://www9.biostr.washington.edu/da.html
http://www.med.harvard.edu/AANLIB/home.html
http://www.songweaver.com/brain/
http://www-pluto.informatik.uni-oldenburg.de/~gymwhs/fach/pae/lernen/lern-02.htm
http://paedpsych.jk.uni-linz.ac.at/INTERNET/ARBEITSBLAETTERORD/LERNTECHNIKORD/Gedaechtnis.html
http://nobelprize.org/medicine/laureates/2000/illpres/kandel.html
http://normandy.sandhills.cc.nc.us/psy150/frmlimbc.html
