Maßarbeit: Mit diesem Trick verbessern Otoplastiken das Streaming-Erlebnis

Es gibt viele gute Gründe, bei einer offenen Versorgung Otoplastiken gegenüber Domes und Schirmchen zu bevorzugen. Wir werden sie in diesem Artikel genauer beleuchten. Außerdem erfahren Sie einen einfachen Trick, mit dem Sie die Otoplastiken Ihrer Kunden in maßgeschneiderte Bluetooth-Kopfhörer verwandeln können. Er hat mir schon auf einigen lauten Zugfahrten das Streaming versüßt.

Fasen wir zunächst kurz zusammen, warum Otoplastiken – mit wenigen Ausnahmen – grundsätzlich die beste Lösung für die Anpassung sind:

  • Der Abstand des Trommelfells zum Lautsprecher bleibt nach jedem Anlegen identisch. Das ist bei Schirmchen und Domes anders: Je nachdem, wie weit sie in den Gehörgang geschoben werden oder wie weit sie gegebenenfalls herausrutschen, vergrößert oder verkleinert sich der Abstand. Als Hörakustik-Profi wissen Sie: Jeder Millimeter zählt, sonst variiert die Lautheit teilweise erheblich und auch die Frequenzabbildung wird beeinträchtigt. Gerade bei älteren Kunden mit zittrigen Händen ist davon auszugehen, dass sie jeden Tag nach dem Anlegen ihrer Schirmchen einen etwas anderen Höreindruck erleben, wodurch die Gewöhnung des Gehirns an die Hörsysteme erschwert wird.
  • Bei stärkeren Hörverlusten können Otoplastiken mit kleineren Bohrungen eingesetzt werden. So wird vermieden, dass das Signal des Lautsprechers aus dem Ohr nach außen dringt, dort die Mikrofone des HdOs anspricht und damit die Rückkopplungs-Unterdrückung aktiviert. Jede noch so gute Feedback-Unterdrückung beeinträchtigt die Klangqualität und das sollte möglichst vermieden werden. Gerade leichte Schirmchen können das Feedback-Management schnell an seine Grenzen bringen.
  • Otoplastiken sitzen sicherer als Schirmchen und können nicht so leicht aus dem Gehörgang herausrutschen. Das ist gerade in Zeiten von Corona nicht zu unterschätzen! Durch das Tragen und Ablegen von Mund-Nasen-Schutzmasken gehen aktuell mehr Hörsysteme verloren denn je und einige Krankenkassen erwägen daher bereits, die Spanne zwischen zwei Bezuschussungen von sechs auf sieben Jahre zu verlängern. Selbst mir als erfahrenem Hörgeräteträger passiert es dank den Bügeln meiner Brille immer wieder mal, dass meine HdOs beim Abnehmen von OP-Masken versehentlich durch den Gummizug von der Ohrmuschel geschleudert werden – aber sie bleiben dann dank Otoplastik dennoch am Gehörgang hängen.

Die Ausnahme von der Regel

Bei Menschen mit sehr engen Gehörgängen können Otoplastiken zu viel des Guten sein. Dann ist nämlich kein Platz für eine ausreichend große Bohrung. Gerade bei einem moderaten Hochtonverlust wird dann zu viel vom natürlichen Klang abgeschirmt. Außerdem wirkt der Verschluss-Effekt unangenehm. Die Ohren fühlen sich permanent „verstopft“ an und der Körperschall wird übermäßig laut wahrgenommen – beispielsweise beim Kauen. Unter diesen Bedingungen bleiben die Hörsysteme vermutlich öfter in der Schublade liegen, als es der Hörgewöhnung lieb ist. Menschen mit sehr engen Gehörgängen fühlen sich meistens mit Schirmchen deutlich wohler – wie ich am Beispiel meiner Mutter und meiner Schwester miterlebt habe. Ihre mittlerweile ungenutzten Otoplastiken sehen neben meinen aus wie zarte Zahnstocher neben einem dicken Bleistift … ich habe nämlich wirklich weite Gehörgänge.

Unsymmetrische Versorgung geschickt angeglichen

Mein Hörverlust ist rechts und links sehr ungleich. Daher trage ich auf der deutlich besseren rechten Seite eine offene Versorgung, auf der anderen eine geschlossene. Diese ungleichmäßige Anpassung bereitet dank einer geschickten Einstellung keinerlei Probleme beim Streaming. Wenn ich den Ton vom Smartphone oder einem TV-Streamer auf meinen Hörgeräten empfange, wird das Panorama automatisch ein Stück weit zur offenen Seite hin verlagert. Denn durch die offene Versorgung entweicht natürlich mehr von dem Signal aus dem Gehörgang und geht damit verloren. Durch die Verschiebung des Panoramas hin zu dieser Seite nehme ich dennoch den gesamten Stream mittig wahr, und Musik klingt Stereo, wie gewünscht. Insofern bin ich äußerst zufrieden mit meiner offenen Seite. Bis auf eine Ausnahme.

Die Wutprobe im Zug

Wenn ich ungestört streamen wollte, hatte ich bislang in lauten Umgebungen ein Problem. Das war beispielsweise der Fall, wenn ich im Zug saß und einen Film schauen oder einen Podcast hören wollte. Quasselte dann eine Reisegruppe im Abteil fröhlich, drang selbst bei ausgeschalteten Außenmikrofonen jedes Wort durch die offene Versorgung an mein gutes Ohr – und störte. Doch jetzt habe ich eine Lösung für das Problem. Sie kann auch Ihren Kunden mit einer offenen Otoplastik weiterhelfen.

Kleiner Stöpsel mit großer Wirkung

Nach einer Lesung in Süddeutschland sprach ich mit einem kompetenten Hörakustiker über das Problem und er machte einen Abdruck – allerdings nicht von meinem Gehörgang, sondern vom Inneren meiner offenen Otoplastik! Diesen kleinen maßgeschneiderten Stöpsel kann ich nun jederzeit bei der offenen Seite hineinstecken und dadurch wird der Außenschall abgehalten. Mit ausgeschalteten Außenmikrofonen habe ich so den vollen Klang eines Bluetooth-Kopfhörers. Im Zug kann ich nicht nur aktiv Musik und Podcasts hören, sondern mich auch mit Entspannungsgeräuschen berieseln lassen, wenn ich mich trotz Umgebungslärm auf meine Arbeit am Laptop konzentrieren möchte. Störende Gespräche werden dadurch maskiert. Ich trage den kleinen „Magic-Stöpsel“ (wie ihn der Apple Gründer Steve Jobs vielleicht genannt hätte…), zusammen mit Reinigungsutensilien für die Hörsysteme, stets in einer Transportbox bei mir.

Mein Tipp:
Wenn Sie es mit technisch versierten Kunden mit einer offenen Versorgung zu tun haben, die Wert auf hochwertiges Streaming legen, geben sie ihnen solche maßgefertigten Stöpsel für ihre Otoplastiken mit. Sie werden es Ihnen danken! Übrigens ist dieses „Zusatz-Feature“ auch ein gutes Verkaufsargument für Otoplastiken, wenn Kunden anfangs vor der zusätzlichen Investition zurückschrecken …